Intermezzo!


Foto: Joel C Ryan/Invision/dpa


Während in den USA der cis-weibliche Körper bzw. die Körper von gebärenden Menschen davon bedroht sind, vom Supreme Court dazu "verurteilt" zu werden, als reine "Gefäße" für ungeborenes Leben zu dienen, hat eine SCUM_Aktivistin, die der Femen-Gruppe nahesteht, ihren Körper als Protestfläche genutzt. Als ich nach dem Bild gesucht habe, war es gar nicht mal so einfach zu finden - obwohl das Ereignis nur einige Tage her ist und die Aktion trotz geringer Dauer (sie wurde nach Sekunden von Securities mit Jacken bedeckt und abgeführt) an einem Ort stattfand, an dem wohl mehr Kameras als Menschen waren. Alleine auf dem Bild sind 6 Stück zu erkennen, die Bändchen um den Hals der ausschließlich männlichen Fotografen, lassen auf mehr schließen... Trotzdem; es gibt mehr Bilder von den Galakleidern der illustren Gäst:innen, als von der Aktion. Das ist nicht neu. Die Protestaktionen von Femen und ähnlichen feministischen Gruppierungen (egal, was mensch von ihnen und ihren Methoden halten mag), werden konsequent, da wo es nicht möglich ist, sie totzuschweigen, belächelt, abgetan und gar als zu radikal diffamiert. Wieso? Was genau ist das "Radikale" daran in diesem Fall? Ist es die politische Botschaft, Vergewaltigungen nicht als "Kriegswaffe" einzusetzen? Die damit einhergehende Forderung, sexualisierte Gewalt genau wie alle anderen Kriegsverbrechen aufzuklären und zu ahnden? Daran ist für mich nichts "Radikales" zu entdecken. Ist es die Aufregung darüber, dass ein Raum genutzt wurde, um diese Botschaft zu verbreiten, der als dafür "ungeeignet" empfunden wird? Wenige Momente später, hat sich Präsident Selenzkyj per Videobotschaft an die genau gleichen Leute gewandt. Im gleichen Raum/Kontext, in einem oliv-grünen Militär-T-Shirt... ist das "passender"? Meine Vermutung ist, dass es mehr mit dem von ihr (ich lese sie als cis-Frau) gewählten Mittel geht. Ihr (fast) nackter Körper und ihre Stimme. Noch dazu ein Körper, den sie selbstbestimmt, aktivistisch einsetzt und der keine den an ihn gestellten gesellschaftlichen Forderungen bedient (Sexobjekt, Fortpflanzungsgefäß etc.) und eine Stimme, die laut, unüberhörbar die Forderung stellt, dass Menschenrechte eingehalten werden.